Sport für Krebskranke

Sport bei Krebs

Gezielte Bewegung für Krebskranke

Die Behandlung von Krebs ist physisch und psychisch anstrengend für die Betroffenen. Eine onkologische Trainingstherapie am skbs Reha-Sportzentrum stärkt die Patientinnen und Patienten.

Text: Susanna Bauch
Fotos: Nick Neufeld

Ulrike von Trotha wird von Peter Wöhler betreut: Er ist zertifizierter Trainer für Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie.

Krebs gehört zu den häufigsten Erkrankungen weltweit und ist damit eine riesige Herausforderung für das Gesundheitssystem genauso wie für die Betroffenen – immerhin gibt es mehr als 500 000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland. Die medizinischen Fortschritte in der Krebstherapie haben aber nicht nur dazu geführt, dass immer mehr Kranke geheilt, sondern auch zu Langzeitüberlebenden werden können. Dafür spielen auch Bewegung und Sport eine zentrale Rolle. Krebsbetroffene profitieren von Ausdauer- und Krafttraining, so der Deutsche Krebsinformationsdienst. Die Wirksamkeit von gezieltem Training und dessen positiver Einfluss auf die Nebenwirkungen der Krebstherapie sind demnach durch zahlreiche Studien belegt. „Gezielte Bewegung verbessert die gesundheitliche Situation und Perspektive von Krebskranken vor, während und nach der Therapie“, betont Peter Wöhler, Diplom-Sportlehrer am skbs Reha-Sportzentrum.

Wöhler ist wie seine Kollegin Julia Kürschner zudem zertifizierter Trainer für Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie (OTT), die das Zentrum seit Herbst 2024 anbietet.

Die OTT-Therapie für Krebserkrankte wurde im Jahr 2012 von der Uniklinik Köln und der Deutschen Sporthochschule Köln als bewegungstherapeutisches Trainingszentrum gegründet. Durch eine individuelle Planung und Gestaltung des Trainings ist es allen Betroffenen möglich, die Bewegungstherapie umzusetzen. Voraussetzungen sind die Anleitung durch zertifiziertes Trainingspersonal sowie Geräte, die ein Training nach Wiederholungen zulassen und nicht ausschließlich nach Zeit.

Training macht physisch und psychisch stärker

Besonderheiten des Trainings sind die individuelle Ausrichtung auf die jeweils Erkrankten sowie der Beginn bereits direkt nach Diagnose und therapiebegleitend. „Je fitter man in so eine schwere Phase einsteigt, desto besser die Resultate“, erklärt Wöhler. Eine verbesserte Leistungsfähigkeit stärke die Patientinnen und Patienten physisch und psychisch. Bevor die Betroffenen auf den Stepper und an die Geräte dürfen, muss eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheinigung vorliegen. „Dann verabreden wir uns in der Regel zweimal pro Woche, um in den ersten 20 Minuten des Trainings mit einer Art Anamnese auf die individuelle Tagesform einzugehen und moderat einzusteigen“, sagt Gerhard Schnalke, Leiter des skbs Reha-Sportzentrums. Je nach onkologischer Erkrankung geht es beim zielgerichteten Training um das Lymphsystem, Neuropathien (Beeinträchtigung von Nervenenden), Gleichgewicht, Mobilisation, Ausdauer und gezielte Stärkung der Muskulatur. „Ein wichtiges Instrument dabei sind die medizinischen Geräte, die jeweils individuell auf das Leistungsniveau eingestellt werden“, so Wöhler.

Ulrike von Trotha ist eine der ersten Patientinnen im skbs Reha-Sportzentrum. „Ich bin schon immer gerne in Bewegung gewesen, und die gezielte Stärkung unter Anleitung hier tut mir physisch und psychisch gut.“ Manche Kraftübungen sind für ihren Körper noch zu belastend, „aber fünf Geräte nutze ich je nach Tagesform bis zu meiner persönlichen Leistungsgrenze“.

Herr Schnalke und Herr Wöhler

Gerhard Schnalke (links), Leiter des skbs Reha-Sportzentrums, und Trainer Peter Wöhler setzen auf individuelle Therapie.

Risiko senken, Nebenwirkungen reduzieren

„Für verschiedene Krankheitsbilder bieten wir auch verschiedene Trainingsmodule“, unterstreicht Schnalke. Die Wirkungen von Sport bei Krebspatientinnen und -patienten wurden laut Deutscher Krebsgesellschaft in klinischen Studien untersucht. Dabei habe sich gezeigt, dass körperliche Aktivität messbar die Nebenwirkungen einer Chemo- oder antihormonellen Therapie reduziert. Bewegung hat positive Effekte bereits im Vorfeld, wirkt stabilisierend während der Behandlung und mindert die Rückfallquote.

In einer Schulung haben Peter Wöhler und seine Kollegin Julia Kürschner die Behandlungsmodule für die einzelnen Krankheiten kennengelernt. Mittlerweile übernehmen auch immer mehr Krankenkassen wie die AOK das sportliche Programm. „Die persönliche Betreuung ist wichtig. Onkologisch Betroffene unterliegen großen Schwankungen bei Befinden und Leistungsfähigkeit – das ist die größte Herausforderung.“

Übungen auch für zu Hause

Ulrike von Trotha erhielt vor einem Jahr die Diagnose Multiples Myelom, also Knochenmarkskrebs. Den größten Teil der hoch dosierten Chemotherapie hat die 55-Jährige bereits hinter sich, derzeit erhält sie noch eine Antikörpergabe.

Frau von Trotha, wie sind Sie auf das Angebot der OTT im Reha-Sportzentrum des Klinikums Braunschweig aufmerksam geworden?
Eine Freundin hat mir davon berichtet – und vor allem, dass man bereits direkt nach der Diagnose und auch während der Therapie die Sporteinheiten bewältigen kann.

Wie sieht Ihr Training aus?
Zunächst einmal ist Peter Wöhler die ersten 20 Minuten für mich da, wir machen Kräftigungs- und Gleichgewichtsübungen, die ich auch zu Hause durchführen kann. Dann nutze ich rund 15 Minuten den Stepper, um Herz und Kreislauf zu stabilisieren. Danach kommt eine Runde an den für mich ausgewählten Geräten, bei mir geht es vor allem um die Brust- und die Rückenmuskulatur.

Hilft Ihnen das Programm darüber hinaus auch mental?
Die Termine zweimal pro Woche geben mir wichtige Struktur. Außerdem arbeite ich hier auch gewissermaßen an meinem Kopf – auf dem interaktiven Trainingsareal Skillcourt mit kognitiven Übungen.

Frau von Trotha

Ulrike von Trotha

Patientin im skbs Reha-Sportzentrum

Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie

Die Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie für Patientinnen und Patienten mit Krebsdiagnose wurde im Jahr 2012 von der Uniklinik Köln, vom Centrum für Intergrierte Onkologie (CIO) Köln und der Deutschen Sporthochschule Köln als bewegungstherapeutisches Trainingszentrum gegründet.

Durch eine individuelle Planung und Gestaltung des Trainings ist es allen Betroffenen möglich, die Bewegungstherapie umzusetzen. Voraussetzungen sind die Anleitung von zertifizierten Trainingspersonal sowie Geräte, die ein Training nach Wiederholungen zulassen und nicht ausschließlich nach Zeit.

Bewegung und Sport bei Krebserkrankung

Regelmäßige Bewegung während und nach einer Krebserkrankung kann dabei helfen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen beziehungsweise die eigene Lebensqualität und Leistungsfähigkeit zu steigern*. Die Belastungsintensität sollte dabei für jeden Betroffenen von Ärztin oder Arzt individuell angepasst werden.

Bei der Rehabilitation von Krebspatientinnen und -patienten sind vor allem Ausdauer- und Krafttraining sowie Koordination und Beweglichkeit wichtig. Wir nennen Beispiele.

Ausdauer dank Nordic Walking

Nordic Walking ist ein gelenkschonender Ausdauersport, bei dem man mit speziellen Stöcken in zügigem Gehtempo unterwegs ist. Die Besonderheit liegt in der aktiven Nutzung der Stöcke, bei der Arme, Schultern und Rumpf einbezogen werden und deren Muskulatur sanft trainiert wird.

Mehr Kraft durch Hanteltraining

Hanteltraining ist ein Kraftsport, bei dem mit freien Gewichten verschiedene Muskelgruppen gezielt gestärkt werden. In erster Linie wird die Muskulatur aufgebaut, die das Skelettsystem des Körpers stützt. Dadurch verbessert Hanteltraining die natürlichen Bewegungsabläufe. Das Besondere: Die Übungen können überall ausgeführt werden.

Koordination mit dem Balance Board

Übungen auf dem Balance Board verbessern das Gleichgewicht und die Koordination. Das Training verbessert das Körpergefühl im Alltag und beugt Stürzen vor. Trainiert wird die Tiefenmuskulatur in Rücken und Rumpf, das sorgt für eine bessere Körperhaltung und mehr Stabilität.

Dehnübungen für Beweglichkeit

Dehnübungen, auch Stretching genannt, verbessern die Beweglichkeit von Gelenken, Sehnen, Bändern und Muskeln. Sie können Fehlhaltungen und Schmerzen vorbeugen. Das Ziehen der Muskeln sollte zu spüren sein, aber nicht weh tun. Dehnübungen eignen sich besonders als Aufwärm- oder Lockerungstraining.

Mehr aus dieser Ausgabe

Das könnte Sie auch interessieren