Die rund 100 000 Dialysepatientinnen und -patienten hierzulande bedürfen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGN) einer aufwendigen Therapie: Dreimal pro Woche müssen sie für vier bis sechs Stunden zur Blutreinigung. Die Blutwäsche ist aber nicht nur für die Betroffenen psychisch und physisch eine große Belastung – diese Therapie hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Denn die Behandlung verbraucht viele Ressourcen. Neben dem Transport zum Dialysezentrum sind dies vor allem Strom und Wasser. Dazu kommen Material- beziehungsweise Verpackungsmüll sowie Chemikalien zur Desinfektion. Rund sechs bis sieben Tonnen CO₂-Ausstoß verursacht die Dialysetherapie pro Patientin und Patient laut DGN im Jahr. Damit ist der CO₂-Fußabdruck doppelt so groß wie der eines Menschen ohne Dialysebedarf.

Dialysefachkraft Vanessa David: Ihre Abschlussarbeit handelt von den Möglichkeiten zur Wasserersparnis.
Dialyse möglichst umweltfreundlich
„Wir interessieren uns daher nicht nur für die Reinigung des Blutes, sondern auch dafür, bei der Dialyse möglichst wenig Verunreinigungen für die Umwelt entstehen zu lassen“, betont Prof. Dr. Jan T. Kielstein, Chefarzt der Klinik für Nephrologie. Dass hier jetzt an der Umsetzung der sogenannten Grünen Dialyse gearbeitet werde, sei ein wesentlicher Baustein eines Nachhaltigkeitskonzeptes, das schon länger laufe. „Die Nephrologie mit den Dialysen verbraucht nach der Radiologie den meisten Strom und mit Abstand das meiste Wasser in der Medizin“, so Prof. Dr. Kielstein. Das Nachhaltigkeitskonzept am Klinikum sieht vor, mittels einer Anlage von GreenTec Dialysis bei der Blutwäsche bis zu 50 Prozent weniger Strom und 60 Prozent weniger Wasser zu verbrauchen.
Es geht bei der Grünen Dialyse aber auch um Materialeinsparung und Müllvermeidung sowie Gebäudemanagement etwa hinsichtlich Solartechnik und den Fahrtaufwand für die Behandlungen. Ein großes Einsparpotenzial lässt sich durch Wärmerückgewinnung realisieren. Das Dialysat, also die Flüssigkeit, mit der das Blut gewaschen wird, muss auf Körpertemperatur erwärmt werden, das bedeutet jede Menge Heizenergie. Neue Dialysesysteme nutzen die Wärme des gebrauchten Dialysates über eingebaute Wärmepumpen oder Wärmetauscher – das ist ressourcenschonender, als das Dialysat allein durch Strom zu erhitzen.
Sparsamer Umgang mit Wasser
„Man benötigt bis zu 400 Liter Trinkwasser für eine Dialyse – dreimal pro Woche in 52 Wochen im Jahr.“ Die Aufbereitung des Trinkwassers für den Dialyseprozess fresse viel Energie. Die Strommenge für eine einzige Dialyse reiche aus, um knapp 100 Kilometer mit dem E-Auto zu fahren, erläutert der Mediziner. Doch es finden sich Lösungen. Dialysefachkraft Vanessa David etwa hat ihre Abschlussarbeit dem Thema gewidmet, wie vom Dialyse-Waschwasser, dem Dialysat, nur so viel eingesetzt wird, wie zwingend nötig ist. „Wir lassen ja auch nicht die Badewanne volllaufen, nur um uns die Hände zu waschen", so Prof. Dr. Kielstein. Durch die automatische Anpassung der Dialysatmenge an die Blutmenge der jeweiligen Patientin oder des jeweiligen Patienten konnten pro Dialyse 36 Liter Dialysat eingespart werden.
„Gerechnet auf ein Jahr könnten mit dem gesparten Wasser 14 mittelgroße Pools befüllt werden.“ Ein weiterer Baustein ist die neue Wasseraufbereitungsanlage. „Es wurde damit in eine Technologie investiert, die weniger Strom und Wasser verbraucht. Das Dialysekonzentrat kann zudem nun auch in der Klinik direkt hergestellt werden. Wir bestellen nur noch Pulver, geben Wasser dazu und stellen das Konzentrat selbst her. Damit vermeiden wir Transportaufwand.“ Das neue System kann zudem ohne Chemikalien, nur mit Hitze gereinigt werden. Außerdem muss es nur bei Bedarf eingeschaltet werden und nicht 24 Stunden durchlaufen, da es schnell betriebsbereit ist. Prof. Dr. Jan T. Kielstein: „Wir wollen das Thema Nachhaltigkeit weiterverfolgen und ausbauen.“
Therapie bei Nierenversagen
Dialyse benennt ein Verfahren, mit dem das Blut eines Menschen von giftigen Stoffen gereinigt wird, wenn seine Nieren dazu nicht mehr in der Lage sind. Über einen sogenannten Dialyse-Shunt oder einen Katheter werden 200 bis 350 Milliliter Blut pro Minute durch das Dialysegerät geleitet. Bei diesem Prozess werden Abfallstoffe herausgefiltert. Die eigentliche Blutreinigung findet im Dialysator statt, dem Filter der Dialysemaschine. Für eine Behandlung werden rund 400 Liter Wasser benötigt. Grüne Dialyse ist eine Initiative zur Verbesserung der Umweltfreundlichkeit der Nierenbehandlung. Ziel ist es, Nierenpatientinnen und -patienten eine qualitativ hochwertige Therapie zu bieten, dabei mit begrenzten Ressourcen sparsam umzugehen und den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren.
„Green Hospital“
Wie kann das nachhaltige klimaschonende Grüne Krankenhaus - „Green Hospital“ - in naher Zukunft aussehen? Ein vom Bundesgesundheitsministerium gefördertes Projekt „ReKlimaMed“* listet Maßnahmen auf, die Kliniken und Krankenhäuser zur Verkleinerung ihres CO₂-Fußabdrucks umsetzen können. Wir nennen Beispiele.
*“ReKlimaMed“: Ressourceneffizienz, Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen – Eine Bestandsaufnahme, Stand 2022: viamedica – Stiftung für eine gesunde Medizin c/o Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene Universitätsklinikum Freiburg. Gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit.
Informative Links
Sie wünschen sich mehr Infos zum Thema Dialyse und Ressourcenschonung? Wir haben einen nützlichen Link für Sie.
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