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Der Akku sorgt dafür, dass sich im Verdampferteil eine Heizspirale erhitzt: So entsteht aus dem Liquid Dampf, der inhaliert wird.

Keine Alternative

E-Zigaretten als neues Risiko

Ausstiegschance oder Giftstoffe für die Sucht: Aus Sicht von Prof. Dr. Thomas Bitter, Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin, sind die sogenannten Vapes vor allem eine Verlagerung von Abhängigkeit.

Text: Susanna Bauch
Foto: Peter Sierigk
Illustrationen: Lars Heppner/MMA, shopplaywood/iStockphoto.com

Sie stinken nicht, es sind keine Kippen zu entsorgen, ihr Rauch ist oft nur aromatisierter Nebel und Schadstoffe wie Teer und Kohlenmonoxid sind eliminiert: Genau das macht E-Zigaretten, auch Vapes genannt, als Glimmstängelersatz für Raucherinnen und Raucher interessant. Die E-Zigarette soll ihnen beim Nikotinverzicht helfen. „Die Menschen machen sich etwas vor, wenn sie glauben, die Vapes seien der Weg aus ihrer Sucht“, betont Prof. Dr. Thomas Bitter, Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin am Klinikum Braunschweig. Es gebe keine Langzeitstudien, „und in E-Zigaretten sind definitiv Stoffe, die für Körper und vor allem Lunge schädlich sind“.

Wer Vapes – eine Abkürzung des englischen Worts für Verdampfer – konsumiert, nimmt in der Regel weiterhin Nikotin zu sich. „Auch die aromatisierten Vapes sind keine weniger gefährliche Alternative zum Tabakrauchen“, so Prof. Dr. Bitter. E-Zigaretten enthalten eine Flüssigkeit, die in der Regel das stark süchtig machende Nikotin und verschiedene Aroma- und Geschmacksstoffe beinhaltet. Das Liquid einer E-Zigarette enthält in der Regel Wasser, die Zusatzstoffe Propylenglykol und Glycerin sowie verschiedene Aromen.

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Menschen nutzen regelmäßig elektronische Zigaretten in Deutschland.
Prof. Dr. Thomas Bitter

Prof. Dr. Thomas Bitter

Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin am Klinikum Braunschweig

Inhaltsstoffe können Gefäße schädigen

„Propylenglykol löst den bekannten Verdampfernebel aus, ist aber gleichzeitig ein Trägerstoff, der Schleimhäute reizt und austrocknet“, sagt der Experte. Glycerin begünstige Entzündungen der Atemwege, mögliche Folgen seien geschädigte Gefäße und die Entwicklung einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), erläutert der Lungenfacharzt. „Insbesondere bei hoher Hitze können aus den Hauptbestandteilen auch gesundheitsschädliche Stoffe wie Formaldehyd, das stark krebserregend ist, entstehen.“ Zudem bestehe die Gefahr, dass sich beim Verdampfen Metallpartikel aus der Heizspirale lösen. „Nickel, Blei, Kobalt – die können vieles verursachen, von der Lungenfibrose bis zu Krebserkrankungen.“ Prof. Dr. Thomas Bitter sieht auch die Aromastoffe, die für Erdbeer- oder Kaugummigeschmack in Vapes verantwortlich sind, kritisch. In der Klinik hat der Mediziner zwar erst wenige Verdachtsfälle für Schädigungen durch Vape-Nutzung beobachtet. „Aber wenn junge Menschen mit einer Lungenentzündung ohne Virus- oder Bakteriennachweis kommen, ziehen wir die E-Zigaretten schon als Ursache in Betracht.“ Grundsätzlich sieht er in Sachen Langzeitfolgen „etwas am Horizont aufziehen, was wir noch nicht einschätzen können“.

20 Prozent der Deutschen rauchen, dazu nutzen rund eine Million Menschen elektronische Zigaretten regelmäßig – auf letztgenannte Gruppe entfallen laut „Deutschem Ärzteblatt“ zwischen 100 000 und 350 000 Ex-Raucherinnen und -Raucher. Für die Krebsprävention scheint dies angesichts von etwa 130 000 Menschen, die in Deutschland jährlich an den Folgen des Tabakkonsums versterben, zumindest auf den ersten Blick keine schlechte Nachricht. „Doch die Abhängigkeit vom Nikotin bleibt in der Regel bestehen“, so Prof. Dr. Bitter. Obwohl es noch keine genauen Erkenntnisse zur Risikoentwicklung von Verdampfern gebe, hält der Mediziner es nicht für zielführend, diese Alternative zur Tabakentwöhnung zu nutzen. „Eine Rückfallquote auf klassische Zigaretten mag geringer sein, aber es bleibt eine Abhängigkeit. Es handelt sich beim Wechsel von Tabak auf Vape eher um eine Suchtverlagerung als um einen echten Ausstieg.“

E-Zigaretten bergen neue Risiken

Junge Menschen werden vor allem durch die aromatisierten Liquids schneller verführt. Wissenschaftliche Daten zeigen laut Deutscher Pneumologischer Gesellschaft, dass Aromen den Raucheinstieg erleichtern, das Suchtpotenzial erhöhen oder durch tieferes Inhalieren die Aufnahme toxischer Substanzen deutlich steigern.

Auch für Passivraucherinnen und -raucher sind die E-Zigaretten nicht unbedenklich. „Der Ausstoß von Aerosolen ist zwar geringer, aber noch lange nicht harmlos.“

Es könne Jahrzehnte dauern, „bis wir wissen, was wir uns da antun“, betont der Chefarzt. Er plädiert für andere und deutlich effektivere Möglichkeiten, um von Tabak und Nikotin loszukommen. „Es gibt Nikotinpflaster, die klassische Verhaltenstherapie und zunehmend auch wirkungsvolle Medikamente zur erfolgreichen Rauchentwöhnung.“ Und nicht zuletzt einen starken Willen.

Gesundheitsschädliche Aromastoffe

Im Kontext von E-Zigaretten bezieht sich der Begriff Aroma auf den hochkonzentrierten Geschmack, der verwendet wird, um dem Dampf einer Vape Geschmack zu verleihen – etwa nach Minze oder Erdbeere. Aromen für den Gebrauch in E-Liquids basieren auf Propylenglykol. Die inhalierten Aromastoffe können sich nicht nur auf die Lunge auswirken, sondern auch auf das Herz-Kreislauf-System.

Die Mehrzahl der aromatisierten Inhaltsstoffe ist bislang nicht toxikologisch untersucht. „In den USA hat es bereits Fälle gegeben, bei denen Jugendliche nach dem Inhalieren bedrohliche Atemwegsprobleme bekommen haben“, so Prof. Dr. Thomas Bitter.

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