Ein Tag in der Transfusionsmedizin
Die Transfusionsmedizin kennt keine Pause, hier wird im Vier-Schicht-System gearbeitet. Täglich geht es um Blut. puls hat die medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin, kurz MTLA, Jessica Wich einen Tag lang begleitet.
Text: Sabrina Mandel
Fotos: Nick Neufeld
Illustrationen: Lars Heppner/MMA

8:06 Uhr – Keine Zeit verlieren
Jessica Wich ist gerade zu ihrem Dienst eingetroffen, als ihr Kollege Dario Hildebrand schon auf sie zukommt: „Ein Kollege aus der Nachtschicht ist erkrankt. Ich muss einiges abarbeiten und habe gerade noch einen dringlichen Fall reinbekommen – kannst du ihn übernehmen?“ Jessica Wich weiß: „Dringlicher Fall“ bedeutet, dass eine passende Blutkonserve innerhalb von drei Stunden bei einem Notfall sein muss, zum Beispiel nach einem schweren Autounfall.
8:13 Uhr – Passende Blutkonserve
Der „dringliche Fall“ wurde in Form einer Blutprobe und eines zugehörigen Anforderungsscheins von einem Fahrer abgegeben, der kurz zuvor aus der Notaufnahme in der Salzdahlumer Straße kam. Jessica Wich checkt, ob eine Blutgruppe auf dem Schein angegeben ist: „0 positiv“. Sie nimmt die passenden Blutkonserven aus dem Kühlschrank. Es ist nun ihre Aufgabe, die Kompatibilität von Blutprobe und Blutkonserve zu kontrollieren.


8:27 Uhr – Kreuzprobe
Mit einem Antiserum überprüft die MTLA sowohl die Blutgruppe der Probe als auch der Konserve. Im Anschluss führt sie einen Antikörpersuchtest durch, um auszuschließen, dass das Empfängerblut Antikörper gegen das Spenderblut bilden und es zu heftigen Reaktionen des Immunsystems nach der Transfusion kommen könnte. „Wenn es wie in diesem Fall keine Auffälligkeiten gibt, dauert die Kreuzprobe bei uns maximal 45 Minuten vom Eintreffen der Probe bis zum Ergebnis“, erklärt Jessica Wich.
10:45 Uhr – Anlieferung
Es klingelt. Jessica Wich drückt den Knopf zum Öffnen der unteren Eingangstür und geht in den Flur, wo eine Taxifahrerin bereits die Treppe heraufgelaufen kommt. Ein Umschlag mit Blutproben aus der Salzdahlumer Straße wird durch ein kleines Fenster in einer Glasscheibe übergeben. „Wir achten sehr auf Datenschutz, nur Befugte haben Zutritt“, sagt die MTLA und geht ins Annahmezimmer. „Wir haben hier elf Proben für Routineeingriffe am morgigen Tag.“


14:27 Uhr – Automatisierte Prüfung
„Dieses Gerät nutzen wir zur Blutgruppenbestimmung bei geplanten Eingriffen. Im gesamten Klinikum gibt es täglich etwa 20 bis 30 Operationen, bei denen Blutkonserven benötigt werden. Fast jede Herz-OP braucht beispielsweise eine“, erklärt Jessica Wich, während sie mehrere Proben in den Blutgruppenautomaten schiebt, den sie per Touchscreen steuert. „Grundsätzlich können wir hier rund 100 Blutgruppentests gleichzeitig durchführen. Denn manchmal geht es bei uns zu wie im Taubenschlag – ich finde es toll, wenn kein Tag dem anderen gleicht.“

Jessica Wich
medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin
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