Mehr Personal für Elektrophysiologie

Auf den Herzrhythmus spezialisiert

Die Menschen werden älter, Herzrhythmusstörungen nehmen zu. Patientinnen und Patienten treffen am Klinikum Braunschweig auf Chefarzt Prof. Dr. Antz und sein hoch qualifiziertes Team. Die Klinik für Elektrophysiologie und Rhythmologie setzt auf personelle Verstärkung.

Text: Prem Lata Gupta
Fotos: Nick Neufeld

Ärzte mit Herzmodell

Nah am Herz: Chefarzt Prof. Dr. Matthias Antz (Mitte), der stellvertretende Chefarzt Dr. Arif Elvan (links) und Rhythmus-Spezialist Dr. Sebastian Winn.

Mehr Köpfe, mehr Expertise: 2026 vergrößert sich das Team von Chefarzt Prof. Dr. Matthias Antz, der Kardiologe und Spezialist für Herzrhythmusstörungen ist. Er hat die Elektrophysiologie des Klinikums Braunschweig von einer Abteilung zu einer eigenständigen Klinik ausgebaut: „Unsere Fähigkeiten ergänzen sich ganz ausgezeichnet. Alle Kollegen, die jetzt und künftig bei uns zusammenarbeiten, sind sehr erfahrene Ärzte.

Zusammengerechnet haben wir bereits über 20 000 Verödungen von Herzrhythmusstörungen vorgenommen sowie über 5000 Herzschrittmacher und Defibrillatoren implantiert. Wir bieten eine erstklassige medizinische Versorgung für Menschen, die an Herzrhythmusstörungen leiden.“ Die Elektrophysiologie und Rhythmologie am Klinikum Braunschweig zeichnet sich seit Jahren durch ihre Kompetenz aus: Bereits 2021 war sie als eines der ersten Vorhofflimmer-Zentren bundesweit von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) zertifiziert worden.

Fachkräfteteam

Aus dem Behandlungsteam: Amjad Salous (von links), Ana-Maria Ayala Vargas und Saad Olabi.

Elektrophysiologie: Wenn das Herz aus dem Takt ist

Es gibt viele verschiedene Arten von Herzrhythmusstörungen. Vorhofflimmern ist die bekannteste und mit Abstand häufigste Rhythmusstörung, in Deutschland gilt es als Volkskrankheit. Nicht oder nur unzureichend behandelt kann es das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche erhöhen. Schätzungsweise zwei Millionen Deutsche sind von Vorhof-
flimmern betroffen.

Die Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den vergangenen Jahren erheblich erweitert beziehungsweise verbessert. Krankhafte Veränderungen am Herzen, Herzstolpern oder -rasen sowie ein verlangsamter Rhythmus lassen sich durch moderne Medizintechnologie, Smartwatches und Diagnostikverfahren früher entdecken. Das wirkt sich auf die Behandlungszahlen aus, die kontinuierlich steigen – auch am Klinikum Braunschweig: „2025 haben wir erstmals über 1000 Verödungen bei Herzrhythmusstörungen vorgenommen und fast 250 Devices, also Schrittmacher und Defibrillatoren, implantiert“, erklärt Prof. Dr. Matthias Antz und fügt hinzu: „Unser erfahrenes ärztliches Behandlungsteam mit Dr. Arif Elvan, Karam Issa und Saad Olabi wurde zuletzt vor einem Jahr durch Dr. Innu Park, einem ausgewiesenen Experten für Schrittmacher und Defibrillatoren, ergänzt. In den nächsten Wochen erwarten wir weitere Verstärkung durch die beiden Experten Dr. Sebastian Winn und Amjad Salous aus Wolfsburg.“ Auch das Pflegeteam der Klinik für Elektrophysiologie und Rhythmologie wird aufgestockt, um dem steigenden Behandlungsbedarf von Patientinnen und Patienten mit Herzrhythmusstörungen in den zwei hochmodernen Katheterlaboren gerecht zu werden und Wartezeiten abzubauen.

Verödung und Schrittmacher

Der Fachbegriff für Verödung lautet Ablation: Bei diesem katheterbasierten Eingriff wird unter Röntgenkontrolle das kranke Herzgewebe, das die Rhythmusstörungen durch fehlgeleitete elektrische Impulse verursacht, gezielt zerstört. In der Regel geschieht dies durch Hitze oder Kälte, aber die Experten am Klinikum Braunschweig nutzen auch eine neue, vielversprechende Methode mit dem englischen Namen Pulsed Field Ablation, die auf dem Einsatz kurzer, wiederkehrender Stromstöße basiert (siehe Kasten). Dank modernster Röntgentechnik und mithilfe von 3D-Darstellung während der elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) kann der Ursprung der Störung genau lokalisiert und identifiziert werden. Oft reicht eine Behandlung, in anderen Fällen muss sie wiederholt werden. Die Erfolgsquoten variieren. Ziel der Verödung ist immer, einen dauerhaft gesunden Herzrhythmus wiederherzustellen. „Eine Ablation ist effektiver als Medikamente. Das ist inzwischen durch etliche Studien bewiesen“, betont Prof. Dr. Antz.

Was aber geschieht mit Patientinnen und Patienten, die dauerhaft an einem zu langsamen oder einem zu stark beschleunigten Herzschlag leiden, möglicherweise schon ein geschädigtes Herz haben? Für erstgenannte Gruppe kommt ein Schrittmacher infrage. Der stellvertretende Chefarzt Dr. Arif Elvan verfügt über umfangreiche Expertise bei Ablationen und beherrscht außerdem die Device-unterstützte Therapie – ein Angebot, das konsequent ausgebaut wird. „Hierbei gibt es wichtige Fortschritte.“ Ihm ist wichtig: „Wir setzen uns für Qualität und einen patientenzentrierten Ansatz ein.“

Bei den klassischen Herzschrittmachern ist ein Gerät mit Sonden verbunden, die über Venen bis ins Herz reichen und dieses stimulieren. Als Meilenstein in der Behandlung bezeichnet Dr. Arif Elvan kabellose Herzschrittmacher. Die neue Variante besitzt keine Kabel, sondern wird direkt im Herz verankert. Der kabellose Herzschrittmacher zeichnet sich durch geringere Infektionsrisiken aus, und funktioniert auch, wenn bestimmte herznahe Venen verschlossen sind beziehungsweise bei schwierigen Venenzugängen. Elektrodenbrüche sind ausgeschlossen. Eine wegweisende Technik ist auch das sogenannte Conduction System Pacing (CSP): Dabei wird nicht wie früher die Spitze der rechten Herzkammer, sondern das körpereigene Reizleitungssystem direkt stimuliert. So lässt sich die natürliche Reizausbreitung fast wiederherstellen. Mithilfe dieser zielgerichteten Impulse wird die natürliche Erregung der Herzkammermuskulatur nachgeahmt und bei bestimmten Patientinnen und Patienten die Pumpleistung verbessert.

Prof. Dr. Matthias Antz

Prof. Dr. Matthias Antz

Chefarzt in der Klinik für Elektrophysiologie und Rhythmologie

Defibrillatoren bei schweren Störungen

Das erfahrene Device-Team am Klinikum Braunschweig setzt auch hochmoderne Defibrillatoren ein: Dabei handelt es sich um komplexe Geräte mit Mehrfachfunktionen. Von ihnen profitieren schwer Herzkranke, weil diese Defibrillatoren permanent den Herzschlag kontrollieren. Sie können das Herz über Sonden im Inneren des Organs stimulieren und bei einer lebensbedrohlichen Rhythmusstörung wie einer Kammertachykardie oder Kammerflimmern einen oder mehrere elektrische Impulse abgeben, die das Herz wieder in den normalen Takt versetzen. Ein Beispiel für innovative Versorgung ist der extravaskuläre Defibrillator. Er wird unterhalb des Brustbeins platziert. Obwohl das Gerät keine Elektroden im Herzen oder in Blutgefäßen hat, kann es nicht nur lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern erkennen und behandeln, sondern auch das Herz stimulieren.

Schrittmacher und Defibrillatoren müssen nicht in einem OP-Saal implantiert werden. „Unsere Herzkatheterlabore haben eine vergleichbare Luftqualität und genauso ­hygienische Rahmenbedingungen“, erläutert Prof. Dr. ­Matthias Antz. Er unterstreicht, dass seine Klinik innerhalb des Hauses gut vernetzt ist und bei Bedarf eng mit der Herzchirurgie – „darüber verfügen nur wenige Krankenhäuser in Niedersachsen“ – und der Kardiologie des Klinikums zusammenarbeitet.

Dem bisherigen Trend folgend, strebt die Klinik für Elek­trophysiologie und Rhythmologie einen Wachstumskurs an. Personell ist sie sehr gut aufgestellt. Schon 2026 könnte die Zahl der Ablationen auf über 1500 steigen. Prof. Dr. Antz: „Wir haben das Potenzial, mit unserer Klinik eine führende Rolle in Deutschland einzunehmen – getragen von einem stetig wachsenden Team ausgewiesener Spezialistinnen und Spezialisten.“

Herzrhythmus-OP

Die Klinik für Elektrophysiologie und Rhythmologie hat 2025 erstmals über 1000 Verödungen bei Herzrhythmusstörungen durchgeführt.

Neues Verfahren im Einsatz

Standardverfahren, die sich bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen bewährt haben, gibt es schon länger: Bereits seit über 35 Jahren werden diese mit Hitze behandelt, indem man krankhaftes Gewebe mithilfe von Hochfrequenzstrom verödet. Die Kältetherapie mit Temperaturen von etwa minus 50 Grad Celsius wird seit über 20 Jahren angewandt. Doch eine Verödung durch zielgenaue, ultraschnelle elektrische Felder (Pulsed Field Ablation) als neuestes Verfahren sei „eine kleine Revolution“, sagt Prof. Dr. Antz. Der Fortschritt besteht darin, dass diese besonders schonende Behandlung sich mehr noch als die sonstigen Methoden auf Herzmuskelzellen konzentriert und somit besonders effektiv die fehlerhaften Zellen beseitigt, ohne umliegendes Gewebe zu schädigen. „Derzeit nutzen wir diese Art der Ablation bevorzugt bei Vorhof-Herzrhythmusstörungen“, erklärt der Chefarzt, perspektivisch käme die innovative Therapie auch für Rhythmusstörungen aus der Herzkammer in Betracht. Die bisherigen Ergebnisse seien überzeugend, weil die Therapie erfolgreich und auch nachhaltig von Nutzen ist.

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