PD Dr. Henrike Lenzen

Gastroenterologie

Feinarbeit im Bauchraum

Im Mittelpunkt stehen die Organe im Bauchraum: Privatdozentin (PD) Dr. Henrike Lenzen ist neue Chefärztin der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, interventionelle Endoskopie und Diabetologie.
Mit puls spricht sie über ihr Aufgabengebiet.

Text: Prem Lata Gupta
Fotos: Nick Neufeld

PD Dr. Henrike Lenzen ist spezialisiert auf interventionelle Endoskopie: Diese Art minimalinvasiver Eingriffe ist oft schonender als eine offene OP.

Die Bandbreite ihrer Arbeit findet die neue Chefärztin im positiven Sinne herausfordernd: „Innerhalb der Inneren Medizin ist es aus meiner Sicht das spannendste Fach.“ PD Dr. Henrike Lenzen und ihre Oberärzte sind täglich mit höchst unterschiedlichen gutartigen und bösartigen Erkrankungen des Bauchraums konfrontiert. Sie müssen klären, ob ein großer Darmpolyp sich schon zu einem Karzinom entwickelt hat. Oder entscheiden, wie ein Leberkrebs behandelt werden soll.

Auch für Patientinnen und Patienten, deren Diabetes ambulant nicht einstellbar ist oder die unter einem diabetischen Fußsyndrom leiden, entwickeln sie Therapieansätze. PD Dr. Lenzen kommt von der Medizinischen Hochschule Hannover, dort war sie zuletzt als Leitende Oberärztin ebenfalls in einer führenden Position tätig. Am Klinikum Braunschweig freut man sich über den Neuzugang. „Mit ihrer beeindruckenden Fachkompetenz und ihrem Engagement für die Patientenversorgung ist sie eine Bereicherung für uns“, erklärt der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Thomas Gösling.

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diagnostische und therapeutische Endoskopien finden in diesem Fachbereich mindestens pro Jahr statt.
Team Besprechung

Besprechung mit Chefärztin PD Dr. Henrike Lenzen: Moderne Medizin setzt voraus, dass sich die Teammitglieder spezialisieren.

Endoskopie für Diagnostik und Therapie

Neben der Gastroenterologie, die auch die Speiseröhre einschließt, und der Hepatologie, die sich auf Leber und Gallenwege fokussiert, ist die Endoskopie – die über 6000-mal jährlich innerhalb dieser einen Klinik stattfindet – einer der Schwerpunkte von PD Dr. Lenzen: Längst wird dieses Verfahren, bei dem ein dünner, flexibler Schlauch mit einer winzigen Kamera und Lichtquelle an der Spitze in den Körper eingeführt wird, nicht nur zur Untersuchung genutzt. Dank feinster Instrumente kann verändertes Gewebe komplett entfernt werden. Während im ambulanten Bereich mit Schlingen kleine Vorwölbungen etwa bei der sogenannten Darmspiegelung noch während der Untersuchung abgetragen werden, kennt die Endoskopie im stationären Bereich moderne, weitergehende Techniken: Dabei kann verändertes Gewebe bis unter die Schleimhaut oder sogar bis in den Muskel entfernt werden. Spezialwissen erfordert auch die sogenannte Vollwandresektion: Dabei wird ein Teil der Darmwand gänzlich im Rahmen der Endoskopie herausgeschnitten und anschließend die Stelle mit einem Clip verschlossen. Im Gegensatz zu einer offenen OP sei dies ein deutlich schonenderes Verfahren, so PD Dr. Henrike Lenzen.

Sie sagt: „Endoskopische Behandlungen finden inzwischen selbst bei großen erkrankten Arealen statt. Es sind keine kurzen Eingriffe, sie können unter Umständen bis zu Stunden dauern.“ Deshalb hat sie auch im Rahmen einer Studie den Einsatz von Wärmedecken während endoskopischer Eingriffe untersucht. In der Chirurgie geschieht dies bereits, aber „weil auch wir immer anspruchsvollere, lang dauernde Eingriffe vornehmen, kommt es unseren Patientinnen und Patienten ebenfalls zugute“, erklärt die Chefärztin. Grund: Ohne Wärmedecke kühlt der Körper aus. Das belastet den Kreislauf, und auch Medikamente wirken dadurch schlechter.

Künstliche Intelligenz unterstützt in Echtzeit

Die Grenzen der interventionellen Endoskopie verschieben sich ständig“, sagt PD Dr. Henrike Lenzen. Sie erläutert, dass es neben speziellem Know-how und Erfahrung in diesem Bereich auch auf die verfügbaren Instrumente ankommt. Die Spiegelung der Gallengänge und des Bauchspeicheldrüsengangs per Cholangioskopie, also mit einer Minikamera, erlaubt es, Gallengangsteine oder auch einen Tumor zu beurteilen und zu therapieren. „Über dieses Equipment verfügen nicht alle Krankenhäuser“, erklärt die Chefärztin. Sie lobt: „Die technische Ausstattung meines Fachbereichs ist top und sie gehört zu den modernsten in Norddeutschland. Wir arbeiten hier mit der neuesten Endoskop- und Prozessorgeneration.“ Innovativ ist auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz: Diese unterstützt zum Beispiel in Echtzeit bei der Erkennung und der Einordnung von Polypen und anderen Schleimhautveränderungen im Darm.

Die Klinik für Gastroenterologie am Klinikum Braunschweig als Maximalversorger spielt auch im Hinblick auf eine andere Erkrankung eine führende Rolle. Bei der Achalasie – einer gestörten Steuerung der Speiseröhrenmuskulatur, die den Schluckakt beeinträchtigt – „sind wir das Zentrum in Niedersachsen“. Als Therapiemöglichkeiten nennt PD Dr. Lenzen die Dehnung des Speiseröhrenmuskels mit einem Ballon oder die sogenannte perorale endoskopische Myotomie (POEM): Sie besteht darin, über den Mund als Zugang die innere Schleimhautschicht der Speiseröhre zu eröffnen und endoskopisch einen Tunnel zu schaffen, über den eine Spaltung der Muskulatur erfolgt. Abschließend wird die eröffnete Schleimhaut mit Clips verschlossen. Früher war dafür häufig eine größere OP notwendig.

Erklärtes Ziel der Endoskopie sei, zum Wohle von Patientinnen und Patienten ihr Leistungsspektrum künftig noch zu erweitern, so PD Dr. Lenzen. Als Beispiel nennt sie die Endo-Hepatologie zur Diagnostik von Lebererkrankungen und Leberzirrhose. Oder den innovativen Ansatz, Gewichtsreduktion minimalinvasiv durch bariatrische Verfahren (Magenschlauch) herbeizuführen. Was inzwischen bekannt ist als erprobte Methode bei krankhaft übergewichtigen Menschen, kann außerdem das Fortschreiten von Lebererkrankungen verhindern.

PD Dr. Henrike Lenzen

PD Dr. Henrike Lenzen

Chefärztin der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, interventionelle Endoskopie und Diabetologie

Im Operationssaal

Leistungsstarke Endoskopie erfordert feinste Instrumente; in diesem Fall ausgestattet mit einer Minikamera, um Veränderungen im Inneren des Körpers zu erkennen.

Chefärztin weiß exzellentes Team um sich

Ihr Verantwortungsbereich, so unterstreicht die Chefärztin, „erlebt derzeit eine spannende Phase, geprägt von technologischen Fortschritten, die Diagnostik und Therapie revolutionieren“. PD Dr. Henrike Lenzen weiß es zu schätzen, dass sie in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, interventionelle Endoskopie und Diabetologie mit den versierten und engagierten Oberärzten „ein exzellentes Team“ um sich hat. Und es herrscht Aufbruchstimmung: Gerade bei Tumorerkrankungen im Bauchraum agieren im Klinikum Braunschweig die interventionelle Endoskopie und die Chi-
rurgie oftmals gemeinsam. Diese Kooperation will die Chefärztin mit Prof. Dr. Tim R. Glowka, der die Allgemein- und Viszeralchirurgie leitet, weiter intensivieren. Der Chefarztkollege: „Viszeralmedizin erfordert Zusammenarbeit auch über medizinische Fachgrenzen hinweg. Chirurgie ohne Gastroenterologie – und umgekehrt – ist heute nicht mehr vorstellbar. Dieses enge Miteinander zeichnet uns gerade am Klinikum Braunschweig besonders aus.“

Bestmögliche Behandlungsqualität lautet die Maxime – dies soll auch für Patientinnen und Patienten sowie die zuweisende Ärzteschaft erkennbar sein. Das Viszeralonkologische Zentrum am Klinikum Braunschweig ist von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert worden: für seine Fachzentren für Magenkrebs und Darmkrebs sowie für das Fachzentrum Pankreaskarzinom, also Krebs der Bauchspeicheldrüse, und seit November 2024 für das Ösophaguskrebszentrum für Karzinome der Speiseröhre. Hervorzuheben ist die stark interdisziplinäre Zusammenarbeit, diese ist außerdem gewährleistet durch wöchentliche Tumorkonferenzen, an denen beispielsweise auch Fachleute aus Onkologie, Strahlenmedizin und Pathologie beteiligt sind. Angesichts hoher Fallzahlen zeichnen sich sämtliche beteiligten Kliniken am Klinikum Braunschweig durch hohe Expertise aus. PD Dr. Henrike Lenzen: „Unter dem Dach des Cancer Centers Braunschweig bieten wir den Menschen in der Region eine onkologische Versorgung auf universitärem Niveau – und legen Wert auf eine persönliche Atmosphäre.“

Endoskop

Leistungsstarke Endoskopie erfordert feinste Instrumente; in diesem Fall ausgestattet mit einer Minikamera, um Veränderungen im Inneren des Körpers zu erkennen.

Expertin beherrscht neueste Techniken

PD Dr. Henrike Lenzen absolvierte ihr Medizinstudium an der Medizinischen Hochschule Hannover und an der Universität Oxford. Nach einem Wechsel im Jahr 2018 von der Medizinischen Hochschule Hannover an das Universitätsklinikum Essen, wo sie die Bereichsleitung der Zentralen Endoskopie übernahm, kehrte die Ärztin 2020 an die MHH zurück. Dort war sie verantwortlich für die Endoskopie und die Darmambulanz, zuletzt in der Position als Leitende Oberärztin. Neben der langjährigen Expertise in der Therapie von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ist die Endoskopie einer ihrer Schwerpunkte. Die national und international anerkannte Expertin beherrscht die neuesten Techniken und arbeitet an medizinischen Leitlinien, welche Vorgaben zur bestmöglichen Therapie enthalten, mit. PD Dr. Henrike Lenzen ist Mitglied des Beirats der Sektion Endoskopie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: So trägt sie aktiv zur Weiterentwicklung des Fachbereichs bei.

Exzellenzzentrum Diabetologie

Mit Diabetes in der Klinik

Wer Diabetes hat, wird in der Regel ambulant behandelt. Wenn die Erkrankung entgleist oder sich ein diabetisches Fußsyndrom verschlimmert, ist ein stationärer Aufenthalt unumgänglich.

Text: Prem Lata Gupta

Am Klinikum Braunschweig existiert ein Exzellenzzentrum Diabetologie: Hier behandeln Fachleute innerhalb der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, interventionelle Endoskopie und Diabetologie die Betroffenen. Hier stellen sich zum Beispiel Menschen vor, deren Erkrankung sich deutlich verschlechtert hat. „Es kann auch an Noncompliance liegen“, erläutert Oberarzt Dr. Alexander Henrici.

Das heißt: Die Patientin oder der Patient hat sich nicht diszipliniert an die verordnete Therapie gehalten. Dazu kommt noch die Gruppe derjenigen, die multimorbid sind, „die zeitgleich unter Erkrankungen des Herzens oder Niere leiden oder auch nicht mehr sehr mobil sind“, so Chefärztin PD Dr. Henrike Lenzen.

Optimale Einstellung von Blutzuckerwerten

Um die Blutzuckerwerte wieder gut einzustellen, kommt ein Insulin-Perfusor zum Einsatz: Dabei wird über eine Pumpe Insulin intravenös verabreicht. So lässt sich die tatsächlich benötigte Tagesdosis für die weitere Behandlung errechnen. Dieses Verfahren wird auch genutzt, wenn Patientinnen und Patienten mit scheinbar unklaren Beschwerden in die Notaufnahme kommen und bei einer Untersuchung im Klinikum erstmals ein Diabetes festgestellt wird. Wenn feststeht, wie viel Insulin benötigt wird, erfolgt noch im Klinikum eine Schulung – denn nach der Entlassung müssen Menschen mit Diabetes sich häufig das Insulin per Pen oder Spritze täglich selbst verabreichen und auch ihren Blutzucker regelmäßig messen.

In anderen Fällen wird der Diabetes entdeckt, wenn Patientinnen und Patienten für einen chirurgischen Eingriff aufgenommen werden. Im Klinikum Braunschweig wird vor chirurgischen Eingriffen sowohl der aktuelle Blutzuckerwert als auch der HbA1c-Wert gemessen: An letzterem lässt sich der Blutzuckerspiegel im Verlauf der vergangenen zwei, drei Monate erkennen. Bei Auffälligkeiten „erhalten wir in unserem digitalen System dann automatisch ein Signal – und reagieren sofort darauf“, erklärt Dr. Alexander Henrici.

Diabetisches Fußsyndrom als Spätkomplikation

Sein Fachwissen ist auch beim diabetischen Fußsyndrom gefragt. Dabei handelt es sich um eine Spätkomplikation der Erkrankung. Langjährig erhöhte Blutzuckerwerte können die Nerven und den Blutfluss im Fuß schädigen. Deshalb spüren Menschen mit Diabetes Verletzungen weniger stark und Wunden an den Füßen heilen sehr schlecht. In der Klinik erfolgt die umfassende Wundversorgung. Aber es passiert noch mehr: „Wir behandeln zielgerichtet den Infekt und sorgen für Druckentlastung, Patientinnen und Patienten sollen liegen. Eine unzulängliche Blutversorgung lässt sich etwa durch Gefäßkathetereingriffe oder eine Operation an den Arterien wieder verbessern“, so Dr. Alexander Henrici.

Der Oberarzt und Chefärztin PD Dr. Henrike Lenzen unterstreichen, dass die bestmögliche Therapie von Patientinnen und Patienten mit diabetischem Fußsyndrom auch durch eine interdisziplinäre Kooperation innerhalb des Hauses ermöglicht wird: „Wir arbeiten mit Fachleuten aus Chirurgie, Gefäßchirurgie, Radiologie und Neurologie zusammen.“ Nach abgeschlossener Behandlung des diabetischen Fußsyndroms erfolgt noch im Klinikum eine stadiengerechte Schuhversorgung durch kooperierende Orthopädieschuh-Technikerinnen und -Techniker.

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