Fussfehlstellung Hallux Valgus Zeh auf Abwegen

Ein häufiges Fußproblem ist der Ballenzeh – eine Fußfehlstellung, die schmerzhaft sein kann und oft das Laufen erschwert. Medizinisch korrekt lautet die Bezeichnung dafür Hallux valgus: Was kann man tun?

Autorin: Margot Dankwerth

Foto: Creativebird | iStockphoto.com

Hallux valgus und Co. vermeiden: Tipps für gesunde Füße

  • Möglichst selten hochhackige Schuhe tragen.
  • Wenn High Heels unbedingt gewünscht sind, den strapazierten Vorfuß mit einem Spreizfußpolster (Pelotte) im Schuh entlasten.
  • Enges Schuhwerk vermeiden, Sneaker sind besser.
  • So oft wie möglich barfuß auf Naturböden (Sand, Kies, Wiese, Wald) laufen. Es kräftigt Bänder und Muskeln und stabilisiert die Fußgelenke.
  • Kurze Muskulatur auf dem Fußrücken durch Gymnastik stärken: Zehen krallen, Zehen spreizen, einen Stift mit den Zehen greifen oder den Fuß über einem Tennisball abrollen sind einfache und wirksame Übungen.
  • Gel-Einlegesohlen mit anatomisch geformtem Fußbett entlasten Gelenke, Bänder und Wirbelsäule bei langem Stehen.

Besonders Frauen ab 40 Jahren leiden darunter“, sagt Dr. Christian Modrejewski, Oberarzt in der Orthopädie des Klinikums Braunschweig, „das liegt einerseits an schwachem Bindegewebe, manchmal auch an einer genetischen Veranlagung – Hallux valgus kommt gehäuft familiär vor. Eine weitere Ursache können spitz zulaufende Schuhe mit hohen Absätzen sein, bei denen die Hauptbelastung auf dem Vorderfuß liegt.“ Was bedeutet: High Heels sehen zwar chic aus. Wer sie oft trägt, geht aber auch Risiken ein.

Grafik: Refluo | iStockphoto.com

So entsteht der Ballenzeh

Durch den vermehrten Druck auf den Vorderfuß werden die Mittelfußknochen auseinandergetrieben, ein Spreizfuß kann entstehen, und der große Zeh (lateinisch Hallux) bewegt sich auf die anderen Zehen zu, dabei wölbt sich das Mittelfußköpfchen, die Gelenkverbindung zwischen Mittelfußknochen und Zeh, nach außen. Beträgt der Abbiegewinkel mehr als 15 Grad, spricht man von einem Hallux valgus (lateinisch valgus = schief). Wenn keine Schmerzen auftreten, müsse man nicht zwingend etwas unternehmen, so Dr. Modrejewski. Für viele Patientinnen sei der Hallux valgus ein ausschließlich ästhetisches Problem. „Wenn man damit zurechtkommt, ist es gut. Aber wenn die Fehlstellung sehr ausgeprägt ist oder fortschreitet, sollte man von der Orthopädin oder vom Orthopäden abklären lassen, ob Gegenmaßnahmen nötig sind.“

Foto: Björn Petersen

Dr. Christian Modrejewski
Oberarzt Orthopädie und Unfallchirurgie

Dr. Christian Modrejewski
Oberarzt Orthopädie und Unfallchirurgie

Hallux valgus und Co. vermeiden: Tipps für gesunde Füße

  • Möglichst selten hochhackige Schuhe tragen.
  • Wenn High Heels unbedingt gewünscht sind, den strapazierten Vorfuß mit einem Spreizfußpolster (Pelotte) im Schuh entlasten.
  • Enges Schuhwerk vermeiden, Sneaker sind besser.
  • So oft wie möglich barfuß auf Naturböden (Sand, Kies, Wiese, Wald) laufen. Es kräftigt Bänder und Muskeln und stabilisiert die Fußgelenke.
  • Kurze Muskulatur auf dem Fußrücken durch Gymnastik stärken: Zehen krallen, Zehen spreizen, einen Stift mit den Zehen greifen oder den Fuß über einem Tennisball abrollen sind einfache und wirksame Übungen.
  • Gel-Einlegesohlen mit anatomisch geformtem Fußbett entlasten Gelenke, Bänder und Wirbelsäule bei langem Stehen.

Konservative Maßnahmen können helfen

Bevor man sich für eine Operation entscheidet, können konservative Therapieoptionen wie Fußgymnastik, korrigierende Nachtschienen, Tapes oder Zehenspreizer ausprobiert werden. Dr. Christian Modrejewski empfiehlt, zunächst die kurze Fußmuskulatur, die auf dem Fußrücken liegt und für die Stabilität des Fußes sowie das Beugen und Strecken der Zehen zuständig ist, mithilfe von Physiotherapie – „es gibt spezielle Übungen, die die Beschwerden mindern“ – zu kräftigen. Doch letztlich wünschten die meisten Patientinnen und Patienten, die sich in der Orthopädie vorstellten, eine OP.

Am häufigsten, sagt Dr. Modrejewski, wird die Chevron-Osteotomie angewendet. Dabei wird der Knochen durchgesägt, die Achse des nach außen weichenden Großzehs korrigiert und wieder nach vorn ausgerichtet. Dafür erfolgt ein Hautschnitt an der Fußinnenseite direkt über dem Großzehengrundgelenk. Eine Teilnarkose sei möglich, die meisten Patientinnen und Patienten bevorzugten die Vollnarkose.

Ein komplizierter Eingriff? Modrejewski verneint. „Die Osteotomie ist technisch nicht schwierig, sie erfordert nur im Vorfeld eine sehr sorgfältige Planung, denn jeder Hallux valgus ist individuell verschieden. Wenn man den Eingriff routiniert immer wieder durchführt, ist er nicht schwierig.“

In sehr fortgeschrittenen Fällen, wenn eine Arthrose im Bereich des Gelenks aufgetreten ist, also der Gelenkknorpel bereits geschädigt ist, entscheiden sich die Ärztinnen und Ärzte für eine Versteifung des großen Zehs. Mit speziellen Einlagen, sagt der Oberarzt, könne man damit anschließend ganz normal gehen, joggen allerdings nicht mehr.

Und was ist mit Risiken? Dr. Christian Modrejewski: „Jede OP ist mit Risiken verbunden. Es kann zu Blutungen kommen, es können sich Blutergüsse bilden, die Wunden können sich entzünden, das lässt sich nicht 100-prozentig vermeiden, es können Nerven verletzt werden – das ist eigentlich bei jedem Eingriff so. Speziell bei der Osteotomie kann eine Knochenheilungsstörung auftreten. Oder es kann sich eine starke Narbe im Bereich der Gelenkkapsel bilden, sodass der Zeh nachher unbeweglich ist.“

Nach Ballenzeh-Operation: Wann bin ich wieder fit?

„Nach der Operation trägt man in der Regel sechs Wochen lang einen Verbandschuh, mit dem darf man nach ein bis zwei Wochen wieder auftreten. Nach insgesamt sechs Wochen kann man wieder normale Schuhe tragen.“.

2023-12-18T11:08:17+01:00
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