Puls – Das Magazin für Gesundheitsinteressierte | Ausgabe 05/2021

Bluthochdruck:
die stille Gefahr

Viele Menschen haben Bluthochdruck. Und der kann entscheidende Jahre kosten. Die gute Botschaft ist: Mit einer Umstellung des Lebensstils lässt sich eine Verschlechterung der Werte stoppen und somit auch die Gefahr von Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt verringern.

Autorin: Susanna Bauch

Rund 25 Millionen Deutsche leiden unter Bluthochdruck, der Arteriellen Hypertonie. Etliche Betroffene erhalten die Diagnose eher zufällig: „Weil die Folgen des Bluthochdrucks tödlich sein können und viele Erkrankte lange nichts davon merken, bezeichnen wir den Hochdruck auch als silent killer, also stillen Mörder“, sagt Prof. Dr. Matthias P. Heintzen, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Klinikum Braunschweig. Ist diese Gefahr identifiziert, seien durch Bluthochdruck bereits verursachte Schäden, etwa am Herz und an anderen Organen, kaum mehr rückgängig zu machen.

Bluthochdruck – wenn die Werte nicht stimmen

Bei der Messung des Blutdrucks unterscheidet man zwei Werte: Der systolische Blutdruck misst den maximalen Druck beim Herzschlag – also wenn sich der Herzmuskel zusammenzieht und sauerstoffreiches Blut in die Gefäße pumpt. Der diastolische Blutdruck misst den Druck auf die Gefäße, wenn der Herzmuskel erschlafft. Liegen die Werte häufig über 140 mmHg (systolisch) und 90 mmHg (diastolisch), sprechen Medizinerinnen und Mediziner von Bluthochdruck.

Ursachen finden und beseitigen

„Wir stellen uns zunächst die Frage, ob tatsächlich Bluthochdruck vorliegt“, so Prof. Dr. Heintzen. Um herauszufinden, ob eine Behandlung notwendig ist, empfehle sich eine Langzeitmessung. Denn es gibt mehrere Ursachen für hohen Blutdruck: Bei einigen Betroffenen besteht eine Überproduktion von Hormonen, Nierenerkrankungen können ebenfalls hohe Werte verursachen. „Allerdings finden wir eine eindeutige behandelbare Grunderkrankung nur selten. Bei 90 bis 95 Prozent der Fälle handelt es sich um eine primäre Erkrankung, ist also keine Folge einer anderen Krankheit.“, so Prof. Dr. Heintzen.

Prof. Dr. Matthias P. Heintzen
Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie

Betroffene müssen Lebensstil anpassen

„Das Therapieziel ist, den Blutdruck dauerhaft im Normalbereich zu halten“, sagt der Experte. Vor einer medikamentösen Einstellung geht es bei der Behandlung vor allem um einen veränderten Lebensstil. „Es wird eine genaue Anamnese vorgenommen, Lebensumstände und Konstitution werden überprüft“, sagt der Chefarzt. Positiv wirken gesunde Ernährung, Ausdauertraining sowie ein Normalgewicht. Der Verzicht auf Zusatzsalze, Nikotin und Alkohol ist sehr wichtig. Abnehmen mache sich ebenfalls bemerkbar.

Umstellung und Therapie retten Lebenszeit

Eine Umkehr lohnt sich: Denn der Blutdruck ist die Kraft, die das Blut auf die Gefäßwand der Arterien und Venen ausübt. Durch eine chronische Überbelastung der Arterien werden sie steifer, die Gefäßwände dicker und der Sauerstofftransport von Blut zum Gewebe wird schlechter. „Dadurch können Gehirn, Herz, Nieren, Augen und andere Organe chronischem Sauerstoffmangel ausgesetzt werden“, sagt der Kardiologe.

„Wenn Arterien erst stark beschädigt, verstopft oder eingerissen sind, kann das zu einem Gefäßverschluss mit den Folgen zum Beispiel eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls führen“, sagt Prof. Dr. Heintzen. „Über Jahrzehnte unbehandelt kostet der Hochdruck definitiv Lebenszeit.“ Bluthochdruck und seine negativen Folgen entwickelten sich über Jahre, werden irgendwann chronisch und belasten das Gesamtsystem des Körpers, also alle Organe. Prof. Dr. Heintzen mahnt: „Die Zeit zählt bei Diagnose und Therapie.“

Höheres Risiko bei Frauen über 50 Jahre

Die Volkskrankheit Bluthochdruck nimmt im Alter zu. Bei den 45- bis 55-Jährigen sind rund 30 Prozent der Menschen betroffen, bei über 70-Jährigen sind es 75 Prozent. Ab einem Alter von 50 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit eines Bluthochdruckes bei Frauen um zehn bis 15 Prozent höher als bei Männern. „Das liegt vor allem an der Hormonumstellung.“

Der Kardiologe hebt die Kooperation mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen hervor. „Nach einer Blutdruckkrise mit extrem hohen Werten, die wir hier stationär einstellen, oder nach einer Katheter-Intervention beginnen wir noch im Krankenhaus mit der ersten Medikation. Zur weiteren Einstellung übergeben wir die Patientinnen und Patienten dann wieder an ihre Haus- und Fachärzte.“

75 PROZENT

der über 70-Jährigen sind von Hypertonie, also Bluthochdruck, betroffen.

2021-12-07T14:49:42+01:00
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