Puls – Das Magazin für Gesundheitsinteressierte | Ausgabe 05/2021

In der Apherese­maschine werden ­unerwünschte Stoffe aus dem Blut oder Blutplasma herausgefiltert.

Blutspenden: Von der Abnahme bis zur Verarbeitung

Am Institut für Klinische Transfusionsmedizin sorgt Bastian Heuer für die Verarbeitung und Aufbereitung von Blutspenden zu Arzneimitteln. PULS durfte zuschauen, wie das funktioniert.

Autorin: Sabrina Mandel

„Ich kann kein Blut sehen!“ Dieser Satz würde Bastian Heuer nie über die Lippen kommen. Der gelernte Rettungsassistent ist für die Blutspenden am Klinikum Braunschweig und ihre Verarbeitung zuständig. „Bereits während meines Zivildienstes habe ich Blutkonserven transportiert. Mein Job hier ist eine tolle Verknüpfung aus Patientenversorgung und Arzneimittelherstellung“, sagt Heuer.

7.50 Uhr: Vorbereitung

Bastian Heuer kniet im Blutentnahmeraum vor einer Blutmischwaage. Zur Kalibrierung legt er ein Apothekergewicht von 500 Gramm auf und protokolliert ihre Funktionsfähigkeit. „So teste ich, ob die Waage korrekt wiegt. Für die Vollblutspende haben wir ein Beutelsystem mit Gerinnungshemmer, das wir auf der Waage platzieren. Bei der Blutspende werden die Beutel mit genau 450 Millilitern Blut gefüllt, danach schaltet das System automatisch ab.“

9.01 Uhr: Ablauf folgt strenger Vorgabe

Bastian Heuer begrüßt einen Erstspender, der sich zur Vollblutspende angemeldet hat. Nachdem er den Personalausweis überprüft hat, überreicht er dem Mann einen Fragebogen, auf dem etwa Angaben zu Gesundheitszustand und Arzneimitteleinnahme erfasst werden. Danach misst er Blutdruck, Temperatur und Puls. „Ich trage die Daten in unser Herstellungsprotokoll für Arzneimittel ein – alles muss nachvollziehbar sein.“ Der Ablauf einer Blutspende folgt einem streng vorgegebenem Schema.

9.50 Uhr: Blutbild und Blutspende

Der gelernte Rettungsassistent entnimmt dem Spender etwas Blut aus der linken Armbeuge. Kurz darauf misst er, ob ausreichend Hämoglobin, roter Blutfarbstoff, vorhanden und der Leukozytenwert nicht erhöht ist. Letzterer gibt die Anzahl der weißen Blutzellen an. Nach einem kurzen Besuch beim Spenderarzt ist der Mann für die Blutspende zugelassen: Heuer punktiert die rechte Armbeuge mit einer Spendernadel, die an ein funktionell geschlossenes Einmal-Beutelsystem angeschlossen ist. Bereits nach sechs Minuten meldet das Gerät, dass die gewünschte Menge erreicht ist – die Blutspende ist beendet.

13.05 Uhr: Arzneimittelherstellung

Nach der Mittagspause hängt Bastian Heuer im Produktionsraum die fachgerecht aufbewahrten Blutspenden des Vormittags an einen Infusionsständer. Das Blut fließt durch einen Filter, um die Leukozyten herauszufiltern. Diese sind häufig die Verursacher für Transfusionsreaktionen, beispielsweise Fieber oder Schüttelfrost, und dafür bekannt, dass bestimmte Viren an ihnen haften können. Anschließend werden die Blutbeutel 45 Minuten zentrifugiert, wobei sich rote Blutkörperchen, die Erythrozyten, und Blutplasma sauber voneinander trennen. Im letzten Schritt presst ein Gerät für vollautomatische Blutkomponentenpräparation die beiden Blutprodukte, Blutplasma und Erythrozyten, in Beutel.

14.10 Uhr: Freigabe und neue Blutspender

Der Chefarzt des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin, Dr. Henk Garritsen, hat die Freigabe der gestrigen Blutspenden erteilt und übergibt die Protokolle an Bastian Heuer, der die Blutprodukte zur Blutbank in der Transfusionsmedizin bringt. Bis zum Feierabend telefoniert Heuer mit Interessierten für die Blutspende, die sich über das Kontaktformular der Klinikums-Website angemeldet haben. „Wir freuen uns über jede Anfrage“, sagt der 38-Jährige. „Bei uns gibt es sogar eine Aufwandsentschädigung.“

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Ablauf einer Blutspende: Die Spendernadel wird in die Vene der rechten Armbeuge eingeführt. Angeschlossen ist diese an ein funktionell geschlossenes Einmal-Beutelsystem. Die gewünschte Menge ist nach etwa sechs Minuten erreicht  – die Blutspende ist beendet. (Video: istock – Ritthichai)

2021-12-07T14:50:19+01:00
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