Puls – Das Magazin für Gesundheitsinteressierte | Ausgabe 05/2021

Das Auge – ein hochkomplexes Sinnesorgan.

Grauer Star: Modernste Behandlungstechnik am Klinikum Braunschweig

Es kommen nicht nur ältere Menschen in die Augenklinik des Klinikums Braunschweig. Auch Kinder mit angeborenem grauen Star oder grünem Star sind hier gut aufgehoben. Der neue Chefarzt Dr. Erik Chankiewitz setzt auf modernste Verfahren.

Autorin: Prem Lata Gupta

Wer weiß schon, dass die Operation des grauen Star 700 000-mal jährlich in Deutschland stattfindet und damit der häufigste chirurgische Eingriff ist? Auch Neugeborene können an einem grauen Star (Katarakt) oder am grünen Star (Glaukom) leiden. Der Unterschied zu erwachsenen Patientinnen und Patienten besteht darin, dass sehr schnell gehandelt werden muss.

Chefarzt Dr. Erik Chankiewitz im Gespräch mit einer Patientin.

Grauer Star bei Kindern

Angeborener grauer Star kann an einem Auge oder doppelseitig auftreten. Dr. Erik Chankiewitz, neuer Chefarzt der Augenklinik am Klinikum Braunschweig, rät Eltern, genau hinzuschauen: „Sind die Pupillen schwarz und rund? Ist der Lichtreflex auf der Hornhaut gleich?“ Ein Alarmsignal sei, wenn bei einem mit Blitzlicht fotografierten Baby auf den Bildern eine Pupille rot und die andere weiß ist. Letzteres kann auf eine Trübung der Linse hinweisen, sogar ein Tumor kann die Ursache sein.

Eine Katarakt, so der medizinische Fachbegriff, schon bei der Geburt bedeutet das Risiko einer bleibenden Sehminderung. Denn Sehen ist eine neuronale Leistung. Optische Eindrücke werden in der Netzhaut verschaltet. Über den Sehnerv mit seinen eine Million Nervenfasern gehen die Informationen ans Gehirn. Einschränkungen wie eine Linsentrübung oder auch Schielen behindern diesen elementaren Vorgang: Demzufolge kann das visuelle System aus Auge, Sehbahn und Gehirn die notwendige Fähigkeit zur Verarbeitung von Seheindrücken nicht oder nicht vollständig entwickeln.

2000 ERKRANKTE

jeglichen Alters werden jährlich in der Augenklinik des Klinikums Braunschweig stationär behandelt.

Schnelle Behandlung ist wichtig

Um die Gefahr einer bleibenden Schwachsichtigkeit (Amblyopie) zu vermeiden, setzt er – anders als bei Erwachsenen, die am grauen Star leiden – bis zum vierten Lebensjahr noch keine neue Kunstlinse ein. Vielmehr wird zunächst die getrübte Linse entfernt: Anschließend tragen Kinder, bei denen nur ein Auge operiert werden muss, Kontaktlinsen. Oder sie benötigen eine spezielle Starbrille mit Bifokalglas, wenn der Eingriff beidseitig erfolgt ist. Vor ihrer Einschulung werden diese Kinder mit einer Kunstlinse versorgt, die dann lebenslang hält. Anschließende Kontrollen finden in der Sehschule am Städtischen Klinikum Braunschweig statt.

Angeborener grüner Star muss ebenfalls dringend behandelt werden. Andernfalls können Sehnervenfasern irreparabel geschädigt werden. Ursache für ein Glaukom ist ein erhöhter Augeninnendruck, es bildet sich mehr Kammerwasser, als abfließen kann. Der Chefarzt der Augenklinik erklärt: „In den allermeisten Fällen bei Kindern ist eine Verklebung oder Fehlentwicklung im Kammerwinkel erkennbar.“ In diesem Bereich treffen wichtige Strukturen aufeinander: der Ziliarmuskel, mit dessen Hilfe sich das Auge auf unterschiedliche Entfernungen einstellt, Hornhaut und Iris. Außerdem befindet sich hier der Abflussmechanismus des Auges. „Die Beseitigung von Verklebungen ist erstes Behandlungsziel bei Kindern“, so der Chefarzt.

Die besondere Anatomie von Kindern und ihren „sehr jungen Strukturen“, wie Dr. Chankiewitz es nennt, erfordert Fingerspitzengefühl und Erfahrung. Dasselbe gilt für eine Technik, die er bei der Fuchs‘schen Hornhautdystrophie anwendet. Von dieser Erkrankung sind häufig ältere Menschen über 70 Jahre betroffen: Sie bezeichnet eine Veränderung der Endothelzellen an der Innenseite der Hornhaut. Diese Zellen pumpen überschüssiges Wasser aus der Hornhaut heraus und halten sie immer genau auf dem Flüssigkeitsgehalt.

3-D-Darstellung des Augapfels: Das Auge ist das komplexeste Sinnesorgan des Menschen. Die Rundum- und Innenansicht macht dies deutlich. (Video: istock – julos)

Operation: Neue, schonende Technik

Weil sich Endothelzellen nicht erneuern können und damit im Laufe des Lebens weniger werden oder weil sie frühzeitig altern, strömt im schlechtesten Fall Wasser von innen in das Gewebe der Hornhaut. Auch Verletzungen können dafür die Ursache sein. Die Betroffenen entwickeln eine Blendempfindlichkeit, sehen immer schlechter und sie haben Schmerzen.

Lange Zeit war eine Operation mit kompletter Transplantation der Hornhaut unumgänglich. Dr. Erik Chankiewitz bietet als Alternative eine neue Technik, kurz DMEK (Descement Membrane Endothelial Keratoplasty). Dabei werden nur die betroffenen beiden der insgesamt fünf Schichten der Hornhaut ausgetauscht. Das Spendermaterial ist gerade mal einen Hundertstelmillimeter dick und wird mit Luft an seinen Bestimmungsort gedrückt. Der neue Chefarzt hat das Verfahren bereits mehr als 1500-mal erfolgreich angewandt. „Es ist die schnellere und schonendere Operation. Nicht immer ist eine Vollnarkose nötig“, sagt er. Weitere Vorteile: viel weniger Abstoßungsreaktionen, schnellere Heilung, bessere Sehergebnisse.

Smartphone und Tablet:
Unsere Augen leiden bei übermässiger Nutzung

Autorin: Prem Lata Gupta

Studien belegen, dass Kinder, die sich stundenlang mit dem Smartphone beschäftigen, verstärkt von Kurzsichtigkeit betroffen sind. Und zwar weitaus mehr als diejenigen, die viel draußen spielen. „Die Kurzsichtigkeit hat noch nie so zugenommen wie in den letzten Jahren“, sagt Dr. Erik Chankiewitz, Chefarzt der Augenklinik am Klinikum Braunschweig. Der Grund: Bei intensiver Smartphonenutzung müssen die Augen auf kurze Entfernung scharfstellen. Das bedeutet aktive Muskelkontraktionen und führt zu einer Art Wachstumsreiz. Kurzsichtige Augen sind größer beziehungsweise messbar länger. Das setzt Schichten wie Netz- und Aderhaut extrem unter Spannung. Die Risiken für Netzhautablösung, Blutungen und Glaukom erhöhen sich.

Blaues Licht des Smartphones hält wach

Ob durch die Nutzung von Smartphones, Tablets oder auch hohe Kelvin-Werte bei der Innenbeleuchtung, zu viel kaltes blaues Licht am Abend beeinflusst den Tag-Nacht-Rhythmus. Denn der Körper hat als „zentrale Uhr“ einen Nervenknoten oberhalb der Sehnervenkreuzung. Dieser wiederum ist verbunden mit der Zirbeldrüse im Gehirn, die das Hormon Melatonin aussendet und so viele Körpersysteme über die aktuelle Zeit informiert.
Blaues natürliches Licht am Tag ist gesund, doch blaues künstliches Licht am Abend hält wach und ist ungesund. Dr. Erik Chankiewitz: „Man wird dann nicht richtig müde, macht immer weiter, schläft dadurch gegebenenfalls nicht genug.“ Das zeigt Wirkung: „Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit nehmen drastisch ab.“

Einstellungen anpassen, Augen schonen

Kein Wunder, bereits 30 Minuten blaues Licht am Abend verkürzen die Tiefschlafphase. Auch das Immunsystem könne geschwächt werden. Sein Tipp: Abends oder generell Displays umstellen auf schwarzen Hintergrund mit weißer Schrift und bei LED-Lampen im Wohn- und Schlafbereich lieber Leuchtmittel mit weich-warmer Farbe (weniger als 3300 Kelvin) nutzen.

Dr. Erik Chankiewitz
Chefarzt der Augenklinik am Klinikum Braunschweig

Blauer Lichtschein am Abend beeinträchtigt die Schlafqualität.

GRÜNER STAR (GLAUKOM)

2021-12-07T14:56:42+01:00
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