Puls – Das Magazin für Gesundheitsinteressierte | Ausgabe 01/2022

Dr. Gabriele Eden und Pflegefachkraft Manuela Lindgren (links) bei einem Patiententraining mithilfe von VR-Technik.

Lernen mit Gefühl: Bauchfelldialyse zu Hause

Virtuelles Training für den Alltag in den eigenen vier Wänden: Eine innovative Software schult schwer Nierenkranke am Klinikum Braunschweig.

Autorin: Susanna Bauch

Für die Patientinnen und Patienten ist es ein wichtiger Mosaikstein, um ihre schwere Nierenerkrankung zu bewältigen: Am Klinikum Braunschweig wird in der Nephrologie eine neuartige Anwendung für solche Erkrankte eingesetzt, die dauerhaft eine Bauchfelldialyse benötigen und diese sicher beherrschen müssen. Das Lernprogramm basiert auf Virtual Reality (VR), die Trockenübung findet in 3-D statt. Derzeit testet das Klinikum eine Probeversion dieser Software, „wir wollen das Programm gerne zeitnah anschaffen, da es die Patientenschulung deutlich erleichtert“, betont Prof. Dr. Jan T. Kielstein, Chefarzt der Nephrologie. Um die rund 4500 Euro dafür zusammenzubekommen, wirbt das Klinikum um Spenden.

Mehr Autonomie mit Heimdialyse

Im Gegensatz zur Dialyse oder Blutwäsche an der Maschine (Hämodialyse) in einem Nierenzentrum können Patienten und Patientinnen bei der Bauchfelldialyse flexibel selbst die Entgiftung – zu Hause, im Büro, im Urlaub – vornehmen. Dazu wird den Betroffenen vorab ein Dialyse-Katheter operativ in den Bauchraum eingebracht. Unter fachlicher Anleitung erlernen sie, eigenständig eine sterile Lösung hygienisch einwandfrei in den Bauchraum zu füllen und nach einer vierstündigen Verweilzeit auszutauschen.

Auf Sorgfalt und Sicherheit kommt es an

„Es ist wichtig, die Vorbereitung und Durchführung einer solchen Dialyse mit den Patientinnen und Patienten routiniert und hygienisch einwandfrei zu trainieren“, erklärt Manuela Lindgren, Pflegefachkraft auf der Nephrologie-Station. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass die Betroffenen dank VR-Brille und Steuerungseinheiten in den Händen interaktiv lernen können. „Das Projekt ist ein Gewinn für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, da wir ihnen auf diese Weise ein hohes Maß an Sicherheit bieten können, effektiv Ängste abbauen und zugleich eine Standardisierung in der Anwendung der Therapie schaffen“, erläutert Dr. Gabriele Eden, Oberärztin und Koordinatorin des Projektes VR-Brille.

VR-Brille hilft beim Bauchfelldialyse-Training

Die Bauchfelldialyse hat sich mittlerweile bei Erkrankten mit Niereninsuffizienz etabliert. „Die Betroffenen müssen nicht mehr dreimal pro Woche zur Dialyse in ein Zentrum. Es ist ein klassisches Heimdialyseverfahren, das vor allem junge und berufstätige Menschen in Anspruch nehmen“, so die Oberärztin. „Wir müssen bei den Patientinnen und Patienten langsam mit dem Dialyse-Training beginnen“, ergänzt Manuela Lindgren. Die VR-Brille sei sehr hilfreich, um schon einmal die Abläufe zu trainieren – „ohne dass der eigene Körper beteiligt ist. Wenn die Lernenden einen Fehler machen, kann ihnen nichts zustoßen.“

Mit VR-Brille für die Bauchfelldialyse daheim üben.

Chefarzt Prof. Dr. Jan T. Kielstein möchte die Dialyseschulung erleichtern.

Bauchfelldialyse zu Hause steigert Flexibilität

„Die Selbstverantwortung wächst bei der Bauchfelldialyse, aber auch die persönliche Flexibilität“, betont Dr. Eden. Die Patienten und Patientinnen würden engmaschig begleitet bei der Anwendung, auch mit Hausbesuchen. „Wir als Klinikum sparen zudem Zeit durch das VR-Projekt“, erläutert Prof. Dr. Kielstein. Stationäre Patientinnen und Patienten könnten mit der Software selbstständig üben. Durch regelmäßiges Training ließen sich zudem Bauchfellentzündungen besser vermeiden. „Das Projekt ist medizinisch sinnvoll und schont Ressourcen – der Prozess der klassischen Blutwäsche verbraucht deutlich mehr Strom.“

Jede oder jeder zweite bis dritte Nierenkranke komme mittlerweile über das Bauchfell an die Dialyse im Klinikum Braunschweig, erklärt Dr. Eden. „Es wird allen angeboten, diesbezüglich gehört das Klinikum Braunschweig zu den Leuchtturmzentren.“

Bitte um Spenden

Wollen Sie dabei helfen, die Anschaffung
des Lernprogramms zu finanzieren?

Spendenkonto:
Freunde und Förderer des Städtischen Klinikums Braunschweig e. V.
Deutsche Apotheker- und Ärztebank Braunschweig
IBAN: DE86 3006 0601 0003 3874 02
Verwendungszweck: Dialyse

2022-03-17T13:36:22+01:00
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