Puls – Das Magazin für Gesundheitsinteressierte | Ausgabe 06/2021

Prostatakrebs –
was Laserlicht kann

Fokale Therapie für Niedrigrisikotumoren der Prostata: Das Klinikum Braunschweig setzt die neue Methode, die umliegendes Gewebe schont, seit einem Jahr ein.

Autorin: Susanna Bauch

Prostatakrebs – ein bösartiger Tumor an der Vorsteherdrüse – ist laut Deutscher Krebsgesellschaft mit knapp 23 Prozent die häufigste Krebserkrankung von Männern hierzulande. Jährlich werden laut Deutscher Krebsgesellschaft rund 65 000 Neuerkrankungen diagnostiziert, das Prostatakarzinom steht inzwischen an erster Stelle – noch vor dem Lungenkrebs als zweithäufigster Krebserkrankung bei Männern. Das Prostatakarzinom tritt zwar einerseits besonders häufig auf. „Andererseits ist es nicht immer im gleichen Maße aggressiv – und daher existieren unterschiedliche Therapien“, erklärt Dr. Lukas Manka, Leitender Oberarzt in der Urologie und Uroonkologie sowie Koordinator des Prostatazentrums im Klinikum Braunschweig.

Besprechung: Dr. Lukas Manka, Leitender Oberarzt (Mitte), mit Chefarzt Prof. Dr. Peter Hammerer und Lilli Lüer, Ambulanzleitung urologische Endoskopie und ambulante Augen-OP.

Dr. Lukas Manka
Leitender Oberarzt in der Urologie und Uroonkologie

SO FUNKTIONIERT DIE FOKALE THERAPIE

Tookad, der Begriff kommt aus dem Hebräischen und bedeutet Licht, ist ein neuartiges Laserverfahren. Diese photodynamische Therapie bringt Tumoren in der Prostata zum Absterben, ohne dabei das Organ selbst zu schädigen. „Schließmuskel und Erektionsnerven bleiben intakt“, erläutert Dr. Manka. Die Behandlung: Das Krebsgewebe der Prostata wird über den Damm mit winzigen optischen Laserlichtfasern versetzt. Einmal injiziert, lagert sich das lichtempfindliche Medikament Padeliporfin im Gewebe ab. Dann wird die Prostata sofort rund 20 Minuten lang „beleuchtet“. Das Laserlicht aktiviert die lichtempfindliche Substanz Padeliporfin – dadurch geht das Gewebe vor Ort zugrunde. „Die Substanz sorgt für die Freisetzung von Radikalen, die das umliegende Gewebe auflösen – und somit sterben Krebszellen und der Tumor“, erläutert Dr. Manka.

Früherkennung von Prostatakrebs

Vor dem 50. Lebensjahr ist Prostatakrebs selten, die meisten Neuerkrankungen werden ab einem Alter von 70 Jahren aufwärts verzeichnet. Die Anzahl der Diagnosen hat lange Zeit stetig zugenommen: Das war vor allem auf den Einsatz neuer Methoden zur Früherkennung wie der PSA-Bestimmung – das prostataspezifische Antigen ist ein Eiweiß, das ausschließlich von Prostatazellen gebildet wird – zurückzuführen. PSA lässt sich im Blut messen, der Wert wird zur Verlaufsbeurteilung von Prostatakrebs bestimmt.

Überschaubare Nebenwirkungen bei fokaler Therapie

Unterschiedliche Befunde werden individuell therapiert. „Für die Tumoren mit niedrigerem Risiko sowie bei kleineren Karzinomen wenden wir als eines der ersten Zentren seit gut einem Jahr die photodynamische Tookad-Therapie an. Sie ist erst seit 2017 in Europa zugelassen“, erklärt der Mediziner. Das hiesige Prostata-Zentrum hat unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Hammerer, Chefarzt der Urologie und Uroonkologie, und Dr. Manka aktiv mitgeforscht an der neuartigen Methode. Aufgrund der präzisen Platzierung der Laserfasern und des fokalen, also örtlich begrenzten Therapieansatzes sind die Nebenwirkungen überschaubar. Aufgrund der Injektion der lichtsensibilisierenden Substanz müsse der Patient nach der Behandlung für mindestens 24 Stunden in einem abgedunkelten Patientenzimmer bleiben.

Gezielte Nachsorge bei Prostatakrebs

„Die Nachsorge bei diesem Eingriff muss stimmen“, betonen Dr. Manka und Prof. Dr. Hammerer. Dazu gehören PSA- und MRT-Kontrollen im Abstand von drei beziehungsweise sechs Monaten. Bei einem aggressiven Tumor hingegen sind weiterhin Operation und Strahlentherapie zur Behandlung notwendig. „Wenn ein Tumor wächst, muss meistens operiert oder bestrahlt werden“, sagen die Experten. Ein Wachstum nach einer fokalen Therapie könne aber in bildgebenden Verfahren wie dem Kontroll-MRT frühzeitig erkannt werden. „Für Niedrig-Risiko-Befunde ist die fokale Therapie eine optimale Alternative, allerdings muss jede Behandlung auf den Patienten zugeschnitten werden“, so die Urologen.

Prostatakrebs: Die bösartige Tumorerkrankung entsteht im Gewebe der Vorsteherdrüse. (Video: envato)

2021-12-16T09:06:42+01:00
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