Mädchen und Jungen, die in der Kinderonkologie behandelt werden, benötigen eine optimale Versorgung – personell und in Hinblick auf innovative Therapie-Ansätze.

Anästhesiefachpflege sorgt
für sicheren Schlaf

Sie sind die Ersten und die Letzten im OP: Die Anästhesiefachkräfte kümmern sich um Vor- sowie Nachbereitung der Narkosen und wachen über das Wohlergehen der Patientinnen und Patienten.

Autorin: Susanna Bauch

Der Patient ist in Plauderlaune. Er scheint aufgeregt, und so unterhält sich Anästhesie-Pflegerin Claudia Rittaler mit dem Mann, während sie ihn für die anstehende Operation vorbereitet – Narkosemittel aufziehen, Vitalwerte kontrollieren, den Zugang in eine Vene am Handgelenk legen. „Kommunikation ist ungemein wichtig“, sagt René Körber, Pflegerischer Gesamtleiter Anästhesie im Klinikum Braunschweig. Es soll vermieden werden, dass die Patienten und Patientinnen Angst bekommen, „wir sprechen nicht von Schmerzen oder Brennen, sondern von Piksen und Wärme. Wir gehen sehr behutsam ins Gespräch.“

Anspruchsvolle Tätigkeiten

Die Anästhesiefachkräfte sind morgens die Ersten im Operationssaal und Vorbereitungsraum – und sie sind nach einem Tag mit 90 Eingriffen im Zentral-OP meist auch die Letzten. „Wir müssen vor- und nachbereiten, auch damit keine kostbare Zeit verloren geht“, betont Körber. Es gibt viel zu tun für die Fachkräfte in dieser wichtigen Disziplin. „Narkosevorbereitung bedeutet Medikamente und Infusionslösung bereithalten, Geräte checken und einstellen, Intubationszubehör positionieren.“ Bevor es losgeht mit dem Eingriff, wird nach Checkliste geprüft: auf Nüchternheit, Art des Eingriffs, Allergien, Schmuck und Zahnersatz. „Wir Anästhesiepflegekräfte sind
30 Minuten vor den ersten Patientinnen und Patienten zur Stelle. Und wir weichen ihnen nicht mehr von der Seite, bis sie aus dem OP in den Aufwachraum geschoben werden – dann übernehmen die Kolleginnen und Kollegen in der Intensivpflege“, erläutert René Körber. Er koordiniert rund
80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – das Anästhesie-Pflegeteam – sowie die Operationspläne. Der 38-jährige Familienvater hat zwei Handys in der Brusttasche, die alle paar Minuten abwechselnd klingeln. Körber nimmt immer sofort ab, klärt Fragen kurz und präzise. Weit über 23.000 Eingriffe in
16 verschiedenen Operationssälen stehen jährlich auf dem Plan,
250 Mitarbeitende müssen täglich die Hygieneschleuse zum OP-Bereich passieren. „Die Kompetenz des Anästhesiepflegeteams umfasst zwölf Fachdisziplinen wie Kinderchirurgie und Neurochirurgie“, sagt Pflegedienstleitung Michael Lüdicke. Es werde daher ein breites und sehr anspruchsvolles Spektrum abgedeckt.

Der Patient von Claudia Rittaler muss derweil auf seinen Eingriff im Vorbereitungsraum warten, Operationssaal 16 ist noch belegt, es dauert ein bisschen länger. Lange hat sie auf der Intensivstation gearbeitet, „in der Anästhesie habe ich jetzt verantwortungsvolle Assistenzaufgaben, ich liebe meinen Beruf“. Auch René Körber kann sich nichts anderes vorstellen. Nach seiner Ausbildung zum Krankenpfleger hat er 2009 seine Weiterbildung zur Fachkraft für Intensiv- und Anästhesiepflege absolviert, seit 2015 ist er am Klinikum im Einsatz.

René Körber koordiniert als Gesamtleiter Anästhesie am Klinikum Braunschweig ein 80-köpfiges Pflegeteam.

Checklisten wie im Flugzeugcockpit

Im Vorbereitungsraum der Anästhesiepflege werden derweil bei dem Patienten Zugang geprüft und Beatmungsmaske vorbereitet. Die eigentliche Narkose erfolgt über einen Tubus im Rachen, bevor dieser gelegt wird, werden noch einmal sämtliche Unterlagen geprüft. Ein zweiter Check erfolgt durch den Anästhesisten Thorsten Köster, der die Narkose dann auch einleitet. „Sicherheit geht immer vor, es ist genauso strukturiert wie in einem Flugzeugcockpit“, erläutert er.

„Wir arbeiten eng mit den ärztlichen Diensten zusammen“, betont Körber. Am Klinikum wirke ein sehr gut eingespieltes Team. „Worte brauchen wir in der Regel kaum. Und wenn mal etwas problematisch wird, gibt es klare Kommandos.“ Die Anästhesiepflegekräfte seien auch im OP so etwas wie die Feuerwehr. „Wir organisieren, wenn zusätzliche Blutkonserven oder Medikamente gebraucht werden“, erzählt Körber.

Nur selten verlieren Pfleger und Ärzte einen Patienten, „aber es kommt vor. Und dann sind wir Pfleger die Letzten, die mit diesem Menschen gesprochen haben. Das ist belastend“, so Körber. Meist kann das Anästhesiepflege-Team die Narkose der frisch Operierten nach rund fünfminütiger Überwachung im Saal ausleiten und diese in den Aufwachraum begleiten. „Wir holen die Patientinnen und Patienten noch im OP aus dem Narkoseschlaf, sprechen mit ihnen und prüfen, ob und wie sie sich bereits orientieren können. Für das Ausleiten werden die Narkosemittel zurückgefahren und ausgeschlichen – Schmerzmittel, Schlafmittel, Muskelrelaxan sind die drei Säulen einer Narkose“, so Körber. Sind die Betroffenen Herz-Kreislauf-stabil, ist der Aufenthalt im OP beendet.

Empathie zählt bei Pflegekräften

Die Fachweiterbildung Intensiv und Anästhesie richte sich vorrangig an Pflegekräfte, die bereits in diesen Bereichen tätig sind, erläutert Ulrich Kreußel, Leiter der Weiterbildungsstätte für Intensiv- und Anästhesiepflege. Die Schwerpunkte der Weiterbildung liegen bei Intensiv- und anästhesiepflegerischen Inhalten sowie dem sicheren und fachkompetenten Umgang mit den notwendigen medizin-technischen Geräten. Großer Wert wird neben den erforderlichen Fachkompetenzen auch auf die Förderung der Sozialkompetenzen gelegt – Empathie, Kommunikation, Teamfähigkeit. „Der Weiterbil- dungsabschluss ist darauf ausgelegt, alle assistierenden und ergänzenden Unterstützungstätigkeiten für Ärztinnen und Ärzte in der Intensivtherapie und Anästhesie hoch qualifiziert durchzuführen“,
so Kreußel.

begleitet das Team der Anästhesiepflege im Zentral-OP täglich in einen sicheren Schlaf.

René Körber
Pflegerischer Gesamtleiter Anästhesie im Klinikum Braunschweig

René Körber
Pflegerischer Gesamtleiter Anästhesie im Klinikum Braunschweig

2023-06-27T21:05:33+02:00
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